Ignorieren der Wahrscheinlichkeit
Auf Englisch: Neglect of probability
Beim Ignorieren der Wahrscheinlichkeit entscheiden wir unter Unsicherheit, ohne zu beachten, wie wahrscheinlich etwas überhaupt ist. Wir reagieren darauf, wie schlimm oder schön sich ein Ausgang anfühlen würde, und behandeln winzige und mittlere Chancen, als wären sie gleich.
Eine große Replikationsstudie aus dem Jahr 2018 konnte ein zentrales Experiment hinter dieser Idee nicht bestätigen. Deshalb diskutieren Forschende noch immer, wie stark Gefühle uns die Wahrscheinlichkeiten ignorieren lassen.
Im Alltag
Nach Nachrichten über einen Flugzeugabsturz fährt jemand eine lange Strecke lieber mit dem Auto, obwohl die Fahrt riskanter ist als der Flug.
Nach einem Haifilm gehst du den ganzen Sommer nicht ins Meer, schaust aber jeden Tag auf der Fahrt zum Strand aufs Handy.
Warum dein Kopf das tut
Unsere Vorfahren überlebten, weil sie Muster schnell erkannten: Raschelndes Gras konnte ein Raubtier bedeuten, dunkle Wolken bedeuteten Regen. Wer Lücken mit einer plausiblen Geschichte füllt, kann auch mit wenig Information handeln, statt zu erstarren. Ein Gehirn, das manchmal ein Muster sieht, wo keines ist, verliert weniger als eines, das eine echte Gefahr übersieht.
Die Familie in 30 Sekunden: Geschichten und Muster
Woran du es erkennst
Frag dich, ob du die tatsächlichen Chancen kennst oder nur darauf reagierst, wie beängstigend oder aufregend sich der Ausgang anfühlt.
Was dagegen hilft
Schreib neben jede Option eine grobe Schätzung ihrer Wahrscheinlichkeit und vergleiche, bevor du dich entscheidest.
Gleiche Familie: Geschichten und Muster
QuellenSunstein (2002)·Wikipedia